Besondere Themen

Die Bahá‘í – Beratung

Die Gedanken sind unendlich wie das Meer. Erst wenn das Meer wogt, steigen die Wellen an und tragen die Perlen der Erkenntniss ans Ufer des Lebens.

Bahá'u'lláh

 

Die Bahá‘í – Beratung ist ein praktischer Weg, wenn immer ein Gremium oder eine Gruppe von Menschen eine Entscheidung suchen. Diese Form der Entscheidungsfindung zielt auf eine kreative Mitwirkung aller und ein hohes Maß an Gemeinsamkeit und Einigkeit ab. Sie wird im Geiste des Gebets begonnen und soll helfen, aus allen Ideen und Vorschlägen gemeinsam die optimale Lösung zu erarbeiten.

Die traurigen Ursachen des Krieges

Ansprache von 'Abdu'l-Bahá in Paris, Oktober 1911.

Freundlichkeit und Anteilnahme gegenüber Ausländern und Fremden

Ansprache von 'Abdu'l-Bahá in Paris, Oktober 1911.

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Der Sinn des Lebens - Statement aus Bahá'í-Sicht

Die Frage nach dem Sinn unseres Lebens, die Frage wer ist der Mensch, wie sollte er leben, um wirklich Mensch zu sein, bewegt seit alters her die Menschen.

Religionen und Philosophen haben verschiedene Antworten auf diese Frage gegeben. Um aus der Sicht der Bahai-Religion zu antworten, möchte ich mich dieser Kernfrage von einigen unterschiedlichen Aspekten her nähern und mich dabei auf Aussagen des Stifters der Bahai-Religion, Bahá'ú'lláh, beziehen.

Dabei ist mir das erste Prinzip seiner Lehre besonders wesentlich: die selbstständige, unabhängige Suche nach Wahrheit. Wir sind aufgefordert, der Frage nach dem Ursprung und Ziel unserer Existenz und dessen, was uns umgibt, der Frage nach dem Sinn unseres Lebens nachzugehen, ohne uns dabei von Traditionen,vorgefassten Meinungen und dem, was andere uns beigebracht haben, leiten zu lassen.

Erstes Ziel: Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis

Baha´ú´lláh sagt: „Betrachte den Menschen als ein Bergwerk, reich an Edelsteinen von unschätzbarem Wert. Nur die Erziehung kann bewirken, dass es seine Schätze enthüllt und die Menschheit daraus Nutzen zu ziehen vermag.“

Jeder Mensch wird demnach mit einem großen Potenzial geboren, das er in seinem Leben durch Erziehung und Selbsterziehung erkennen und entwickeln soll - zu seinem eigenen Nutzen und zum Wohl aller.

Zu unserem Potenzial gehört auch, dass wir als Menschen unseren Schöpfer erkennen können. Das bedeutet nicht, dass wir Gott wirklich erfassen können. Aber mit unseren geistigen Fähigkeiten, unserem Verstand und unseren Sinneswahrnehmungen ist es uns möglich, in allen Dingen, in der Natur und besonders in jedem Menschen Zeichen und Eigenschaften des Göttlichen zu erkennen.

„Der hat Gott erkannt, der sich selbst erkannt hat.“

In einem Bahai-Gebet heißt es: „Ich bezeuge, oh mein Gott, dass du mich erschaffen hast, dich zu erkennen und anzubeten.“

Besonders deutlich können wir Gott in Gestalt der Stifter der Offenbarungsreligionen, wie z.B. Christus, Mohammed oder Bahá´u´llah erkennen. Ihr Wort ist das offenbarte Wort Gottes. In den Hl. Schriften erfahren wir von unserem Schöpfer und seiner Absicht. Das Gebet ist eine Möglichkeit, mit unserem Schöpfer in Verbindung zu treten. Dieser Verbindung kann man auch durch geistige Übungen wie der Meditation, oder durch Wort und Tat in einer bewussten Lebensführung Ausdruck geben.

Ein weiterer Lebenssinn ergibt sich, wenn ich auf das Ende eines Menschenlebens schaue:

Aus Sicht der Bahá‘í - Religion besitzt der Mensch neben seiner materiellen auch eine geistige, spirituelle Natur. Seine geistige Identität, seine Seele, ist unsterblich. Sie lebt und entwickelt sich nach dem Tod in der geistigen Welt weiter, hin zu Gott. So wie der Mensch im Mutterleib all die Voraussetzungen entwickelt, die er in der Welt „da draußen“ benötigt, um sich dort weiter zu entwickeln, genau so sind wir aufgefordert, in unserem Leben geistige Eigenschaften, Tugenden zu entfalten. Sie bilden sozusagen das Rüstzeug für eine Weiterentwicklung der Seele nach dem Tod.

„Alle Menschen wurden erschaffen, um eine ständig fortschreitende Kultur voranzutragen.“

Diese Aussage Bahá‘ú´lláhs führt zu einer weiteren, wesentlichen Sinngebung unseres Lebens.

Bahá´u´lláh betont die Einheit der Religionen. Er erklärt, dass alle Religionen von demselben Gott stammen, und dass alle Religionsstifter die gleichen, ewigen Grundwahrheiten verkünden. Zum Beispiel fordern sie die Menschen auf, geistig gesinnt, rechtschaffen oder barmherzig zu sein.

Neben diesen Grundwahrheiten verkündet jeder Gottesbote aber auch neue Lehren. Sie entsprechen den Umständen, Bedürfnissen und Problemen der Zeit, in der er gewirkt hat. Jede Religion bringt der Menschheit neue Impulse und fördert ihre weitere Entwicklung. Die besondere Herausforderung für unsere heutige Zeit besteht darin, weltweit zusammenzuwachsen. Die enge Verbundenheit aller Völker wird immer deutlicher und ihre gegenseitige Abhängigkeit wächst täglich.

Die Bahai - Religion ist eine junge Weltreligion. Sie wurde vor etwa 150 Jahren gestiftet.

Bahá'ú´llah sagt: „Das Wohlergehen der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, solange ihre Einheit nicht fest begründet ist.“

Als Bahai sehen wir einen wesentlichen Sinn darin, uns für diese Vision der Einheit der Menschheit, einer Einheit in der Vielfalt, einzusetzen, indem wir uns bemühen Verbundenheit und Freundschaft zu leben, Vorurteile jeglicher Art zu überwinden und unsere Fähigkeiten dem Wohl des Ganzen zur Verfügung zu stellen.

Ich möchte mit einem Zitat schließen:

„Betrachtet einander nicht als Fremde. Ihr seid die Früchte eines Baumes, die Blätter eines Zweiges. Verkehrt miteinander in größter
Liebe und Eintracht, in Freundschaft und Brüderlichkeit.“
und
„Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute dem Dienst am ganzen Menschengeschlecht hingibt.“

Dieses Statement eines Mitgliedes der Wittener Gemeinde wurde bei den Gerdeshofgesprächen am 10.04.2014 vorgetragen.

Bahá'í und das Prinzip der Nichteinmischung in die Politik

 

Die Frage, bis zu welchem Grad ein Bahá'í sich öffentlich über politische und soziale Fragen äußern darf, führt unter Bahá'í zu vielen Diskussionen und intensiven Beratungen. Grundlage ist das von Shoghi Effendi verkündete Prinzip der Nichteinmischung in die Politik.

Dieses Prinzip führt immer noch gerade zu Zeiten eines Donald Trump zu Irritationen und gegenseitigen Vorwürfen unter den Freunden

Leider kommt es hier sehr häufig zu Verkürzungen, die dann Anlass zu Streit geben, z.B. der Behauptung, man dürfe keine Nachrichten sehen, weil man ja Politik "wie die Pest" zu meiden habe.

In den Leseempfehlungen befinden sich dazu zwei Texte, die sich mit der genaueren Ausgestaltung des Verhältnisses der Bahá'í zur Politik auseinandersetzen.

Beide Texte machen klar, dass die Welt so einfach nicht ist. Im Gegenteil fordern die Lehren von uns Differenzierung und eine ausgewogene Betrachtung dieses heiklen Themas.

Der erste Text ist ein Brief im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Politikwissenschaftler zur Frage politischer Äußerungen im Allgemeinen, der andere ein Brief in Auftrag des Nationalen Geistigen Rates der Vereinigten Staaten zu den 'Women's Marches', die die Amtseinführung des US-Präsidenten begleitet haben.

1. Botschaft an einen Bahá'í zur Sozialpolitik vom 23. Dezember 2008

2. Botschaft des amerikanischen NGR vom 13. Januar 2017

Der zweite Text wurde dankenswerterweise aus dem Englischen durch einen geschätzen, der Gemeinde namentlich bekannten Freund übersetzt.